Warum Connor
schweigt

Die erste Frage, die man mir über Connor stellt, ist immer dieselbe: Warum redet er so wenig? Und ich verstehe die Frage. Ein Protagonist, der schweigt, ist eine Herausforderung. Für den Leser. Und auch für mich.

Aber Connors Schweigen war keine Entscheidung. Es war das Erste, was ich über ihn wusste.

Schweigen ist keine Leere. Es ist eine Form von Sprache, die man nicht lernen muss. Sie ist immer schon da, bevor man anfängt zu reden.

Connor ist siebenundzwanzig. Er arbeitet in einem Café, das kaum jemand besucht. Er trinkt seinen Kaffee ohne Zucker, seit er vierzehn ist, ohne sich je gefragt zu haben warum. Er hat eine Wohnung ohne Bilder an der Wand. Das ist kein Statement. Das ist einfach das, was übrig geblieben ist.

Figuren wie Connor sind schwer zu schreiben, weil man versucht ist, ihnen eine Erklärung zu geben. Ein Trauma. Eine Vergangenheit. Einen Grund. Aber ich glaube, die meisten stillen Menschen haben keinen einzelnen Grund. Sie sind still, weil sie irgendwann aufgehört haben zu glauben, dass die Wörter ankommen.

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Es gibt einen Moment im Roman, in dem Connor an dem alten Fischer vorbeigeht. Jeden Morgen. Und jeden Morgen sieht er denselben Blick, diese Leere, die eigentlich keine Leere ist. Und Connor denkt: Das ist es. Nicht aufgeben. Nicht warten. Einfach da sein.

Das ist vielleicht der Kern von Connors Schweigen: er wartet nicht auf die Erlaubnis, laut zu sein. Er hat beschlossen, dass er so schon vollständig ist. Was sich ändern wird, aber noch nicht geändert hat.

Das Schweigen vor dem Aufbruch ist das lauteste Schweigen, das es gibt. Man hört es in jedem Atemzug.

Ich habe viel darüber nachgedacht, ob Connor am Ende spricht. Ob er irgendwann sagt, was er denkt. Ich werde das hier nicht verraten. Aber ich kann sagen: die Antwort ist komplizierter als ja oder nein.

Denn Schweigen hört nicht einfach auf. Es verändert sich. Es wird leichter. Oder es wird schwerer. Und irgendwann ist man nicht mehr sicher, ob man schweigt oder ob man einfach noch sucht nach dem richtigen Wort.

Connor sucht. Das ist alles. Das ist der Roman.