Was ich lese,
wenn ich nicht schreibe

Ich lese immer. Auch wenn ich schreibe, lese ich. Aber wenn ich nicht schreibe, lese ich anders: langsamer, aufmerksamer, ohne das schlechte Gewissen, das sich einschleicht, wenn man weiß, dass man eigentlich am Laptop sitzen sollte.

Was folgt, ist keine vollständige Liste. Es sind die Bücher, die mich während der Arbeit am Roman begleitet haben. Die, die ich mittendrin aufgeschlagen habe und nicht mehr weglegen konnte. Und die, die ich eigentlich schon kannte, aber erst jetzt verstanden habe.

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The Sea Das erste Buch, das ich gelesen habe, nachdem ich beschlossen hatte, in Irland zu spielen. Nicht wegen des Inhalts, sondern wegen der Sprache. Banville schreibt über das Meer wie über etwas, das denkt. Das hat mich nicht losgelassen.
Ein Schmerz so still wie Schnee Ein kleines, stilles Buch über einen Mann, der allein ist und es nicht weiß. Oder weiß und es nicht ändern kann. Hession schreibt über Einsamkeit ohne Mitleid, das ist selten und kostbar.
Stoner Dieses Buch hat mir gezeigt, was möglich ist, wenn man eine Figur liebt, ohne sie zu schonen. Stoner scheitert an allem. Und man liebt ihn dafür. Ich habe dreimal geweint beim Lesen und jedes Mal nicht gewusst warum.
Winterreise Kein Roman, der mich beeinflusst hat, sondern einer, der mich erschüttert hat. Mora schreibt in Brüchen. Sätze, die aufhören, bevor sie fertig sind. Das ist mutig, und ich habe gelernt, dass Unvollständigkeit eine Form von Ehrlichkeit sein kann.
Ein gutes Buch lehrt einen nicht, wie man schreibt. Es erinnert einen daran, warum.

Ich lese auch Lyrik, meistens abends. Paul Celan, Rose Ausländer, manchmal auch Rilke, auch wenn ich das nicht laut sage. Lyrik bremst das Denken auf die richtige Geschwindigkeit. Man liest einen Vers und hält inne. Das ist eine Übung, die man braucht, wenn man den ganzen Tag Prosa geschrieben hat.

Und dann gibt es die Bücher, die ich nicht zu Ende gelesen habe, weil sie mich gestört haben. Auch das ist wichtig. Zu wissen, was einem nicht liegt, ist genauso formend wie das, was einen begeistert.

Ich lese, um zu verstehen, was ich schreiben will. Und manchmal lese ich, um zu vergessen, was ich geschrieben habe. Beides hilft.