Es gibt Nächte, in denen der einzige Laut das Tippen ist. Keine Autos mehr. Keine Stimmen. Nur das leise Klacken der Tasten und das Summen des Kühlschranks, der irgendwann auch aufhört. Und dann sitzt man da, und schreibt, und merkt nicht, dass man längst aufgehört hat zu schreiben.
Die Stille passiert einem. Man plant sie nicht.
Das Schreiben braucht keinen Lärm. Es braucht Raum. Und Raum entsteht durch Stille, nicht durch Disziplin.Ich habe lange geglaubt, man müsse sich zum Schreiben zwingen. Sich hinsetzen, egal wie man sich fühlt, egal ob der Kopf leer ist oder voll von allem anderen. Die Ratschläge, die man liest, klingen alle gleich: schreib täglich, schreib morgens, schreib zuerst. Als wäre das Schreiben ein Handwerk, das man übt wie Klavier spielen.
Vielleicht ist es das. Aber das Klavier klingt schlecht, wenn man wütend ist.
Connor schreibt nicht. Er denkt auch nicht viel. Er lebt in einem Café am Hafen, schenkt Kaffee ein, grüßt dieselben Gesichter, und schaut auf das Wasser. Und trotzdem ist er die Figur, die mir am meisten über das Schreiben beigebracht hat.
Denn Connor wartet. Er weiß nicht worauf. Aber er ist da. Anwesend. Offen. Und das ist es, was ich meine, wenn ich von Stille spreche: nicht die Abwesenheit von Lärm, sondern die Bereitschaft, etwas zu empfangen.
Ich habe den Roman in Stücken geschrieben. Manchmal einen Satz. Manchmal eine ganze Nacht. Die Stille war immer der Einstieg. Nicht die Methode, sondern der Zustand.
Die Stille ist kein Hindernis, sie ist der Raum, in dem das Schreiben atmet.Das klingt esoterisch. Ich meine es konkret. Wenn das Handy leuchtet, wenn eine Nachricht kommt, wenn die Welt sich meldet, dann ist der Faden weg. Man kann ihn wieder finden, ja. Aber es dauert. Und manche Abende reichen nicht, um zweimal anzufangen.
Also schreibe ich, wenn es still ist. Nicht weil ich es so plane. Sondern weil die Stille bleibt, wenn alle anderen gegangen sind.